Oratorium von Georg Friedrich Händel

in Zusammenarbeit mit dem Orchester

arpa festante, München

 

Sopran: Barbara Zinniker
Mezzosopran: Ruth Sandhoff
Altus: Kai Wessel
Tenor: Bernhard Gärtner
Leitung: David Schneider

Samstag, 14. Januar 2006, 20 Uhr St. Johannes, Zug
Sonntag, 15. Januar 2006, 17 Uhr St. Johannes, Zug

Zum Projekt

Der Zuger Chor cantori contenti hat mit "Alexander's Feast" (1995) und "Messiah" (2000) bereits zwei grosse Oratorien von Georg Friedrich Händel aufgeführt. Auch beim dritten Händel-Projekt "Solomon" wird eine werkgetreue Aufführung - Orchestrierung mit historischen Instrumenten - angestrebt. Die Zusammenarbeit mit dem Orchester "L'arpa festante" aus München hat sich bewährt und soll auch bei "Solomon" fortgesetzt werden. Als Solisten werden Sängerinnen und Sänger verpflichtet, die über einen hohen schweizerischen und zum Teil auch internationalen Bekanntheitsgrad verfügen. Der Chor wird im Frühling 2005 mit der Probenarbeit beginnen.

Zum Werk

Das Oratorium "Solomon" entstand in einer Reihe insgesamt erfolgreicher Oratorien, die Händel in London schrieb und zur Aufführung brachte. In den Sommermonaten 1748 komponierte Händel für die bevorstehende Spielzeit die beiden Oratorien "Solomon" und "Susanna". Er begann die Arbeiten an „Solomon" am 5. Mai 1748 und beendete die Partitur am 13. Juni 1748 mit der Dankesformel "S.[oli] D.[eo] G.[Gloria]". Man geht davon aus, dass der Geistliche Thomas Morell, der Librettist unter anderem von "Judas Maccabaeus" und "Josua", auch die Textvorlage für "Solomon" geliefert hat. Morell war ein langjähriger Freund und Bekannter Händels und lieferte ihm zahlreiche Libretti. Die Autorenschaft Morells ist bei "Solomon" jedoch nicht unbestritten, da sich der Autor einer sehr bildhaften Sprache bedient, die für Morell eher untypisch ist.

 

"Solomon" zeigt das Bild eines weisen und gottesfürchtigen Herrschers, Salomos Hof wird dabei zum Sinnbild einer idealen Gesellschaft erhoben. Das Libretto geht in den zentralen Punkten auf Geschichten des alten Testaments zurück, unter anderem auf die Bücher der Könige (1. Kön. 1-11) und der Chronik (2. Chr. 1-9). Trotzdem schreibt man diesem Oratorium nicht nur jüdisch-christliche Glaubensaspekte zu, sondern findet hier vielmehr eine pantheistische Weltsicht vor, nach welcher Gott in allen Dingen des Lebens zu finden sei.

 

In den verschiedenen Akten des Oratoriums wird der König Salomo in seinen unterschiedlichen Qualitäten gezeigt und gefeiert. Oft wird darauf verwiesen, dass Händel hier das goldene Zeitalter Englands und den damaligen Herrscher George II würdigen wollte, der ihm die englische Staatsbürgerschaft verliehen hatte. Händel pries mit diesem Oratorium die Herrlichkeit Englands und seiner Monarchen, indem er sie mit Israel und König Salomo gleichsetzte.

 

Im ersten Akt erscheint Salomo als gottesfürchtiger König, der die Fertigstellung des Tempels in Jerusalem mit seinem Volk feiert, daraufhin wird die Liebe zu seiner Königin, seine Großzügigkeit, Güte und Treue gezeigt. Mächtige, jubelnde Chöre bezeugen die Pracht und die Glorie die am Hofe herrscht.

 

Im zweiten Akt wird die berühmte Geschichte dargestellt, in welcher sich zwei Frauen um ein Kind streiten und Salomos weiser Richterspruch die wahre Mutter erkennen lässt. Musikalische Höhepunkte dieses Aktes sind die charakteristischen Stücke der Hauptpersonen, wobei jeder Person typische Motive zugeordnet werden. Händel gelingt es hier in unnachahmlicher Weise, die Charakterzüge musikalisch auszuarbeiten und zu beleuchten.

 

Das Oratorium zeigt in seinem letzten Akt ein weiteres Talent Salomos: die Freundschaft mit anderen Staaten - sozusagen sein „außenpolitisches" Können. Die Königin von Saba reist an, und um sie zu unterhalten, werden verschiedene Chorstücke aufgeführt, die unterschiedliche menschlichen Emotionen darstellen sollen. Dies bietet die inhaltliche Möglichkeit für Händel, seine Kompositionskünste in ihrer Vielfalt zu präsentieren. Der Chor „Praise the Lord with harp and tongue", der nicht nur Gott, sondern vor allem auch Salomo preist, ist einer der prächtigsten von Händels zweichörigen Werken und wird daher manchmal als Schlusschor verwendet. Hiernach folgt jedoch noch der Abschied der Herrscher voneinander, und das Oratorium endet mit der moralischen Essenz: „Der Name des Bösen wird schnelle vergehn, doch der Ruhm der Gerechten wird ewig bestehn."

 

Dieses Oratorium ist nicht durch einen dramatischen Handlungsablauf gekennzeichnet, sondern hier werden Bilder und Szenen nebeneinander gesetzt. Die Statik, die dadurch entsteht, wird durch die Farbenpracht der einzelnen Bilder ausgeglichen. Die unterschiedlichen Szenen und Umstände erlauben es Händel seine ganze Pallette an kompositorischen Ausdrucksmöglichkeiten einzusetzen. Differenzierte Instrumentation, große chorische Stücke, solistische Elemente und sensible musikalische Charakterstudien zeigen Händels hohe Kunstfertigkeit. Mit sieben achtstimmigen Chorsätzen schöpft er die in seiner Zeit existierenden Kompositionsmöglichkeiten aus. Mit der Besetzung Salomos durch einen Mezzosopran übernimmt er die Operntradition, Helden, die fast von übernatürlicher Kraft und Weisheit strotzen, mit Frauenstimmen ins Übermenschliche zu erheben.

 

Über die Uraufführung am 17. März 1749 in London fehlen zwar Überlieferungen, sie soll aber äußerst erfolgreich gewesen sein, da Händel am nächsten Morgen eine große Summe auf sein Bankkonto einzahlte.

 

Im Vergleich zu anderen Oratorien wurde "Solomon“ bereits zu Händels Lebzeiten eher selten aufgeführt und hat bis heute - zu Unrecht - nicht die Beliebtheit von "Samson" oder " Judas Maccabaeus" erlangt.

 

Der ganze Werktext

Hören Sie hier Ausschnitte.

 

Pressestimme

Barock in authentischer Interpretation

Historische Instrumente, englische Originalsprache, ausgezeichnete Solisten, hoch stehender Chor: Das Händel-Oratorium „Salomo“ war ein voller Erfolg.

Mit zwei Aufführungen in der Zuger St.-Johannes-Kirche erlebte das zahlreich erschienene Publikum ein weiteres Mal die Qualitäten der „Cantori Contenti“ unter der Leitung von David Schneider. Der auf vier bis acht Stimmen verteilte anspruchsvolle Notentext wurde wie selbstverständlich beherrscht. Und die durchwegs doppelchörige Aufstellung schien auch beim Zusammenklang weit entfernter Stimmgruppen keine Probleme zu schaffen. Die rund vierzig Sänger setzten kräftige Eckpfeiler, um eine sinnenfrohe Handlung, in welche der Textdichter neben dem biblischen Bericht auch Elemente der griechischen Mythologie einfliessen liess.

Überzeugendes Orchester

Das aus rund zwanzig Mitwirkenden bestehende Orchester „L’arpa festante“, München, musizierte sowohl in der Technik wie nach dem Ausdruck in historischer Spielpraxis. In der nach französischem Prinzip aufgebauten Ouvertüre erlebte man, dass sich historische Spielpraxis und hohe Virtuosität keineswegs ausschliessen. Hingegen wurde jedes Vibrato vermieden, und die wenigen Bläser waren nie in Gefahr, die Streicher oder den Chor zu übertönen. Schon in der Originalfassung war „Salomo“ noch zusätzlich idealisiert, indem der Bibeltext über seinen späteren Niedergang nur durch einen einzigen Arientext indirekt angedeutet wurde. Für eine Aufführungsdauer von rund zweieinhalb Stunden war David Schneider zu weiteren Kürzungen gezwungen. Diesen fiel vor allem der Part des Leviten zum Opfer, sodass das Solistenquartett aus lauter hohen Stimmen bestand.

Wilde Koloraturen

Unter diesen ist Kai Wessel in der Titelrolle als Erster zu erwähnen, nicht nur durch den Umfang seines Parts, sondern vor allem in Bezug auf die hoch stehende künstlerische Gestaltung. Der noch vom Pionier René Jacobs ausgebildete Altus-Sänger fand – um Oktaven von der gewohnten männlichen Sprechstimme entfernt – einen überraschend natürlichen Ausdruck, der das ganze Spektrum von lange gehaltenen Einzeltönen bis zu wilden Koloraturen umfasste. Einen angemessenen Gegensatz schufen die beiden Sopranistinnen: Aus mehr lyrischer Grundstimmung gestaltete Barbara Zinniker die Texte der Pharaonentochter-Königin und der Ersten Frau; dramatisch erschienen mit Ruth Sandhoff die kurzen Rezitative der Zweiten Frau und anschliessend die Arien und Duette der Königin von Saba. Stilgerecht wirkten auch die meist kürzeren Einsätze des baritonal gefärbten Tenors von Bernhard Gärtner. Dem „Salomo“ fehlt die grosse dramatische Spannung vieler anderer Händel-Oratorien; auch dürfte die schwierige Suche nach einem geeigneten Altus-Sänger einer häufigeren Aufführung im Wege stehen. Umso dankbarer war das Publikum den „Cantori Contenti“ und ihrem Dirigenten David Schneider für das seltene Hörerlebnis. In Bezug auf kompositorische Originalität und Qualität der satztechnischen Durchführung gehört „Salomo“ zu den wertvollsten Händel-Oratorien.

 

JÜRG RÖTHLISBERGER, Neue Zuger Zeitung, 16. Januar 2006

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